Yamaoka Blog

„Die Macht des Buchstaben K“

von Diana Posth

veröffentlicht in: Kunst und Kultur

„PSSSSSSTTTT … hey du!“ – „Wer, ich?“ – „Pssst, nicht so laut.“ – „Wer, ich?“ –„Genaaaaaau, willst du ein K kaufen?“ – „Ein K?“
Nicht mehr so exklusiv gehandelt wie bei Ernie und dem Buchstabenverkäufer aus der „Sesamstraße“, ist der Buchstabe K in Deutschland mittlerweile Massenware geworden.

Der Anfangsbuchstabe K ist momentan derart angesagt, dass man im Agentur-Jargon von einem K-Hype sprechen könnte. Nach einem Besuch in einem Zeitschriftenladen vor ein paar Tagen wurde mir geradezu plümerant: K-Wörter schmücken inflationär den deutschen Blätterwald. Nur K macht Konjunktur: Krise, Kirche, Krankheit, kein Kapital, Kälte, Kosten, Klage, Kummer… bilden eine einzige K-akophonie!

Das Wörtchen Krise toppt mittlerweile alle möglichen K-Wörter und hat sehr gute Chancen nochmals – lautete doch das Wort des Jahres 2008 schon Finanzkrise – diesmal allerdings ohne Anhang, das Wort des Jahres 2009 zu werden. Das alles wäre sehr komisch, denn das Wort Krise ist mit nur fünf Buchstaben kurz und knapp, phonetisch kratzig-knatschig, also weder ästhetisch noch lautmalerisch schön. Das interessiert aber nur wenig.

Langsam wird es Zeit, mit der einseitigen Betrachtung aufzuhören. Dabei ist der Weg aus der Krise zunächst ganz einfach. Die Lösung: Ein Griff zu den positiv konnotierten, unbeachteten K-Wörtern: K für Kunst und Kultur, kreativ und kontrovers!

Diese Wörter wollen weiter mit Inhalt gefüllt werden. Wir verfolgen also das Ziel: Abseits der allgemeinen Krisenstimmung den Kopf „frei“ zu bekommen. Daher zunächst ein Ortswechsel. 400 km weiter südlich von Hamburg an den Rhein.

Dort in Düsseldorf angekommen geht es ohne Umwege direkt zur Kunsthalle. Hier hoch im Kurs: kontrovers und kreativ. Ausgestellt wird eine Band. Klingt ungewöhnlich, ist es auch – denn es geht um Sonic Youth. „Sensational fix“ heißt die Ausstellung und bringt alle Vorzüge der interdisziplinären Band auf zwei Schauplätzen, in der Kunsthalle Düsseldorf und im KIT, auf den Punkt.

Die Band, die es bereits zu den Simpsons schaffte und auch Gerhard Richter für ein Plattencover mit Kerzenbild „Daydream“ überzeugen konnte, vermittelt zwischen Kunst und Rockkultur. Spannend, weil die Musiker von Sonic Youth eher Künstler als herkömmliche Rockstars sind. Diese Ausstellung garantiert also bis zum 10. Mai besonders kontroversen Kunstgenuss.

Zurück nach Hamburg: Einige kleine Galerien setzen auch hier dem K-Negativismus etwas Positives entgegen. Das erfreut sehr. In der White Trash Contemporary Galerie möchten verschiedene internationale Künstler mit ihrer Ausstellung „cash flow“ der aktuellen Krisenstimmung etwas entgegensetzen. Auf jeden Fall komisch und kreativ. Weiteres darf entdeckt werden.

Quintessenz: Auf zu mehr K-Optimismus! Geht nicht? Geht doch! Deshalb abschließend zum Nominierten der Kategorie „Optimismus“ und Sympathieträger 2009, dem Mops. Sorry, das Wort beginnt ausnahmsweise einmal nicht mit K. Egal, es bleibt kontrovers. Schon Erich Jandl, Dichter und Schriftsteller, wusste von der Leichtigkeit des Seins der Möpse zu berichten. Nebenbei ein gutes Krisen-Gegengift:

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott

1 Kommentar zu „„Die Macht des Buchstaben K““

  1. Roman Goodarzi sagt:

    Genau! Der Krise kann jeder Einzelne etwas entgegen setzen. Missmut bringt niemanden weiter, denn was kann man anderes mit Krisen machen, als sie anzupacken und zu bewältigen? Gerade die kreativen Köpfe sind gefragt!

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