Yamaoka Blog

Archiv für Mai 2012

Besuch bei „THE HIVE – International European Blogger Conference“

Donnerstag, 31. Mai 2012

von Julia Rauscher

 

Bei strahlendem Sonnenschein trafen vorletztes Wochenende circa 200 Blogger sowie PR- und Geschäftsleute aus der ganzen Welt im Beta-Haus, der Location der Blogger Conference, zusammen.

Blogger sind im Social Media-Zeitalter zu einem festen Bestandteil der PR-Branche geworden. Sie bilden mittlerweile eine wichtige Kommunikationsschnittstelle und erreichen damit die gleiche Relevanz wie Redakteure der Printmedien. Wir sind gespannt, was die virtuelle Tagebuchfront hier im realen Leben zu berichten hat.

Die erste Referentin, die dänischen Bloggerin Birgitte Brøndsted, erläutert die „10 tipps to brilliant blogging“. Phrasen wie „Do the things you like about other blogs and don’t do the things you don’t like“ und „Blogs with a personal touch are much more interesting to read“ hauen uns nicht wirklich vor Aufregung von den Sitzen.

Anders verhält es sich mit dem Vortrag der amerikanischen Bloggerin Gabrielle Blair, die sich im Netz als „DesignMom“ einen Namen gemacht hat. Charismatisch und taff, das Klischee der erfolgreichen New Yorker-Business-Lady verkörpernd, lässt uns Gabrielle teilhaben an der Erfolgsgeschichte ihres Blogs. Sie beginnt die virtuelle Welt zu entdecken – als Blogs noch in den Kinderschuhen steckten. Schnell baut sie sich einen festen Leserstamm auf, der unaufhörlich wächst und schafft es mit Hilfe von „Content Campaigns“ und „Advertising“ ihren Lebensunterhalt zu begleichen. Mittlerweile hat Gabrielle viele begeisterte Fans: Über eine Million User aus der ganzen Welt klicken monatlich auf ihren Blog. Diese Zahl kann sich sehen lassen!

In ihrem Vortrag  betont die erfolgreiche „DesignMom“ immer wieder, dass es große Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Blogger-Netzwerk gibt und man hierzulande mit Kreativität und Experimentierfeudigkeit sehr viel erreichen kann. Der Blogger-Gemeinde gibt sie deshalb folgendes mit auf den Weg: „Nobody has figured out blogs yet, so keep experimenting! Think of something new.”

Auf eine Kontroverse sind wir gestoßen, als es in den Vorträgen „How blogs can support your business“ und „Blogs and PR“ darum ging, wie Unternehmen mit Bloggern umzugehen haben.

Die Unternehmerin Dana Tannhäuser-Baker, welche das erfolgreiche österreichische Kindermodelabel „Tannhäuser“ gegründet hat und selbst keine Bloggerin ist, propagiert: „Blogger are important to build a brand.“ Sie arbeitet schon seit Jahren mit führenden Kindermodebloggern zusammen, die sie auf den Modenschauen in New York und Mailand kennenlernt. Doch nun stellt sich die Frage: „Bezahlen Sie die Blogs für die Berichterstattung, Frau Tannhäuser?“ –  Angeblich nicht!

Doch leider wird die Bezahlung der virtuellen Tagebuchschreiber immer häufiger zur Normalität. Und das erschreckt uns! Denn diese Honorierung wird, und mit dieser Meinung sind wir sicher nicht alleine, dazu führen, dass die bisher hochgeschätzte, unabhängige und glaubwürdige Stimme der einzelnen Meinungsmacher „Blogger“, die soviel Einfluss auf ihre Leserschaft ausüben, schwinden!

Wir lernen also: Blogger sind unique! Und damit sie das bleiben, und nicht zu „einfachen“ Online-Redakteuren „verkommen“, müssen sie auch so behandelt werden – nämlich individuell!

Daran werden wir uns auch in Zukunft halten und freuen uns weiterhin auf gehaltvolle und produktive Kooperationen mit Euch! 

Crowdsourcing: ein Geschäftsmodell der Zukunft?

Montag, 7. Mai 2012

von Katherina Vetter

 

Offenheit, Innovation, Interaktion und Dialog – der Wunsch, vom reinen Konsumenten zum Mitschöpfer und Entscheidungsträger zu werden, prägt die neue Generation. Unternehmen orientieren sich hierfür an Themen wie interaktiven Wertschöpfungsprozessen, Open Innovation, Open Source oder Crowdsourcing.

Was ist Crowdsourcing? Erfinder des Neologismus ist Jeff Howe, der diese Wortschöpfung im Jahr 2006 zum ersten Mal verwendete. Die Idee dahinter: die aktive Integration von Konsumenten in den Wertschöpfungsprozess. Seit 2010 erfreut sich das Modell stetig wachsender Beliebtheit – ob Görtz, Tchibo oder Starbucks (http://mystarbucksidea.force.com/ideaHome), immer mehr Unternehmen setzen auf die „Intelligenz der Masse“ und lagern vor allem kreative Prozesse auf die Internetnutzer aus.

Verschiedene Marktstudien belegen, dass viele Nutzer und Konsumenten bei Unternehmen echte Kommunikations- und Mitmach-Angebote vermissen – sie bieten zu selten Anreize für Aktivitäten an. Zu dieser Erkenntnis kamen auch Sebastian Vetter und Roger Schlecht und gründeten im Februar 2012 Evotum (www.evotum.com), ein Abstimmungsportal für Lifestyle-Themen in den Rubriken Music, Fashion, Food, Movie, Technology, Games & Culture.

Das Konzept ist einfach: Nach einer kostenlosen Registrierung hat der User die Möglichkeit, ein elektronisches Votum abzugeben. Auf diese Weise erfolgt z. B. der Einfluss auf neue Kollektionen von bekannten Fashion-Labels oder die Mitbestimmung, welches Stück der Kollektion zu einem Vorzugspreis erworben werden kann sowie über Rahmenbedingungen wie Künstler, DJs und Venue von Events. Die Kenntnisnahme von Kundenwünschen steht im Mittelpunkt des Konzeptes. Nach den Umfragen und Votingphasen werden die gewählten Produkte als exklusive Angebote für die Mitglieder im eigenen Evotum-Onlinestore zur Verfügung gestellt.

Im Anschluss an das Konzept entstand ein „Back-End“ für die Geschäftspartner – die Entwicklung von Auswertungsmodellen, mit denen Partner hilfreiche Einblicke in ihre bestehende Zielgruppe und alle potentiellen Neukunden bekommen. Das Ziel der beiden Gründer: Evotum als eine globale Marke für interaktive Kundenintegration zu stabilisieren. Die Chancen stehen gut. Die Resonanzen auf User- als auch auf Partnerseite sind nach Aussage von Roger Schlecht sehr positiv.

Obwohl die crowd-basierenden Konzepte in Deutschland noch nicht so verbreitet sind, könnte in Zukunft die Integration von Energie und Ideenreichtum der Masse im Netz fortan zur alltäglichen Geschäftspraxis gehören, vor allem in der Kommunikationsbranche. Verschiedene Marktforschungen und Studien belegen bereits diese Theorie.