Yamaoka Blog

Malen nach Zahlen

von Diana Posth

veröffentlicht in: Kunst und Kultur

Gelegentlich stolpert man über Dinge, die auf den ersten Blick trivial erscheinen. Überliest man fast einen kleinen Beitrag im Monopol-Magazin über die verstorbene Hanne Darboven. Darf ich vorstellen? Profession: Konzeptkünstlerin.

Vielleicht eine unter vielen. Stimmt nicht ganz. Hanne hatte eine Waffe, ihren Fimmel für Zahlen. Damit ist und war sie vierzig Jahre lang unschlagbar. Hannes Zahlenkolonnen, Quersummen aus Kalenderdaten, plakativ als ausgefeiltes Schreibsystem, gerahmt, formiert, Wände voller Zahlen in den Museen der Welt. Ein Wahnsinn, ein Paralleluniversum. Denkste.

Schon einmal dort angelangt, eine kleine Assoziation:
Paralleluniversum erinnert an den Roman „Per Anhalter durch die Galaxis”. Und schon hören wir die Stimme eines Babelfisches im Ohr: „Nee, ganz so parallel wie du meinst liegt diese Kunst nicht entfernt. Schau mal genauer hin!” Bitte? Schwupps, ein Licht geht auf und wir gelangen durch diesen Umweg zum einflussreichstem System unseres Leben: den Zahlen.

Alles hängt von Zahlen ab. Nicht nur, dass sie unsere Sekunden, Minuten, Stunden, Monate, Jahre, Monatsgehälter, Bankkonten, Wissenschaften wie Mathematik, Physik, Astronomie, Chemie etc. bestimmen. Schlimmer ist es, dass sie uns in ein Erwartungskorsett eintüten. Mit 30 soll man, mit 40 hat man, mit 50 ruht man schon fast.

Ohne Zahlen keine Info, so scheint es, denn: Woran halten wir uns fest? Wo ist der Vergleichswert? Das Geschriebene liebt die Ziffern, Zahlen erklären die Welt:

Nach rund 14 Milliarden Jahren Expansion ist das Universum gegenwärtig ca. 13,7 Milliarden Jahre alt.
Mit einem Börsenwert von ca. 140 Milliarden Euro ist die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) jetzt die größte Bank der Welt.
500 Millionen Menschen nutzen Google-Produkte.
Die Deutschen besitzen 46 Millionen Autos.
Der Volkswagen Konzern konnte den Umsatz von ca. 113,8 Milliarden Euro und ca. 4,7 Millionen Gewinn im Jahr 2008 deutlich steigern und erreichte eine Kapitalrendite von ca. 10,9 Prozent.
Im Jahr 2002 wurden etwa 5 Exabyte neuer Daten aller weltweit verfügbarer und gespeicherter Informationen gespeichert.
Würde man die 19 Millionen Bücher und andere Archivdokumente der Kongressbibliothek zu Washington digitalisieren, wären das ca. 10 Terabyte Daten.
Ein Terabyte ist der einmillionste Teil eines Exabyte. So braucht man eine halbe Million Mal die Kongressbibliothek zu Washington mit ihren gesamten digitalisierten Beständen, um auf die Menge von 5 Exabyte zu kommen.

Bleiben wir doch lieber bei Hanne: „Denn eins und eins ist zwei – und das kann meines Erachtens nun wirklich jeder begreifen”, erklärte sie einmal. Eben darauf kommt es an.

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