Vom alltäglichen Spagat einer berufstätigen Mutter, Teil 1
von Jutta Oppermann
veröffentlicht in: Allgemeines, Public Relations
„Schönen Feierabend”, ruft mir meine junge Kollegin fröhlich hinterher, wenn ich am frühen Nachmittag die Agentur verlasse. „Dein Leben möchte ich haben, so viel an der frischen Luft”, bemerkt mein Chef auf dem Weg zu einem gemeinsamen Termin.
Wenn die wüssten. Feierabend, frische Luft, Latte Macchiato in der Sonne. Gegen diese Bilder kommen die Beschreibungen meiner Tagesabläufe nicht an. Schon gar nicht bei den Menschen, die kinderlos über ihre 60 Stunden Bürowoche klagen.
Darüber wiederum kann ich nur lachen. Mein Tagesablauf berücksichtigt die Planung von drei Personen – davon hat jede ungefähr geschätzte drei Leben unter den Überschriften: Arbeit, Freizeit, Familie.
Ich bin viele. Mutter, PR-Beraterin, Freundin, etc. – je nach Bezugsrahmen.
Meine Tochter wiederum führt ein Leben als Schülerin, Teenagerin (jajaja, das ist so schlimm wie alle immer sagen) und BFF (best friend forever) und mein Sohn ist Erstklässler, angehender Fußballstar, Hortkind und Rabauke Nummer 1 der Straße.
Die typische Handbewegung, die mein Leben beschreibt?
Butterbrotschmieren? Wäsche sortieren, waschen aufhängen? Vier Einkaufstüten am Fahrradlenker balancieren? Telefonierendbügelndwohnungstüröffnend? Halt. Das sind ja nur die Dinge, die nebenher so laufen.
„Hast du schon die Konzeption für die Produkteinführung erstellt”, „wann treffen wir uns mit dem Kunden”, „ist die Kalkulation fertig” „kommst du bitte auch zum Brainstorming” und – „ich brauche unbedingt ein paar neue nie dagewesene Ideen für ein Meeting mit dem Marketingleiter von …”
Auf diese Anfragen muss und will ich als PR-Beraterin in meinen zweiten Tagesabschnitt schnelll und präzise antworten können. Dieser Abschnitt zwei beginnt in der Regel so gegen 8.30 Uhr, nachdem ich in Tagesabschnitt einen Turnbeutel gesucht, Fahrräder aufgepumpt und Termine mit allen Beteiligten meines kunterbunten Lebens abgestimmt habe.
Wenn alles klappt, komme ich glatt durch den zweiten Teil des Tages. Da aber das Leben die Aneinanderreihung unvorhersehbarer Ereignisse ist, klingelt mittendrin mein Handy: „Mama, die Schule ist früher aus und die Schulkantine geschlossen, wo soll ich jetzt was essen?” Oder: „Holen Sie bitte ihren Sohn ab, er ist von der Turnstange gefallen “. Das sind nur zwei von vielen möglichen Varianten. Flexibilität ist mein zweiter Vorname.
Jeder Tag ist anders und verläuft garantiert nie so, wie vorher geplant. Gute Organisation und das klare Erkennen von Prioritäten sind die Eckpfeiler meines täglichen Überlebens.
Beruf und Familie – beides gehört zu meinem Leben und ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Schließlich ist Arbeit kein Selbstzweck, sondern dient dem Erwerb der täglichen Brotes. Und so geht es den meisten berufstätigen Müttern, die ich kenne. Flexibilität und Engagement werden jeden Tag von uns wie selbstverständlich erwartet.
Arbeitgeber mit diesen Eigenschaften sind eher selten. Besonders in den so genannten Medienberufen. Die Branche, die für sich in Anspruch nimmt, Trends zu erkennen und umzusetzen, hinkt hier den Unternehmen, die sie oft als schwerfällig belächelt, hinterher.
Flexible Arbeitszeiten, Zeitkonten, Unterstützung bei Organisation der Kinderbetreuung, Förderung von Rückkehrerinnen: Fehlanzeige in den „ach so hippen” Agenturen.
Ein riesiges Potenzial an Lebensfülle, Kompetenz und Engagement geht da verloren.
Wie und ob man es anders machen kann, davon beim nächsten Mal mehr.
Hallo,
ich kenne den Spagat auch gut, ich arbeite als Freiberuflerin und meine Tochter ist 15 Monate. Mittlerweile kann ich die Frauen verstehen, die ganz zu Hause bleiben, ich habe oft das Gefühl, es nicht zu schaffen: Wäscheberge türmen sich, von unserem Boden kann man eigentlich immer essen, weil man immer was findet, durch die schmutzverkrusteten Fenster dringt kaum noch störender Sonnenschein (hält im Sommer die Wohnung schön kühl), rechts und links vom Schreibtisch stapeln sich Rechnungen und Papiere, die möglicherweise nie abgeheftet werden. Aber man muss eben Prioritäten setzen. Prio eins: Unsere Zaubermaus. Prio 2: Arbeit. Haushalt? Kommt irgendwann. Ich hasse es selbst, meinen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, aber ich bin halt keine Supermom, die alles kann. Und ich habe einen wunderbaren Spruch gelesen, der mich sehr entspannt hat:
Du wirst Dir in der Stunde Deines Todes vieles wünschen, aber sicherlich nicht, Du hättest ein saubereres Haus gehabt.
Aber ich möchte auf keinen Fall eines missen – weder Kind, noch meinen Traumjob. Und die meiste Zeit beflügelt es mich ungemein, dass ich beides haben darf. Natürlich ist es oft anstrengend, stoße ich gerade in Zahnungs-Zeiten an meine Grenzen, sitze ich oft noch abends am PC, um Abgabetermine zu halten. Auf der anderen Seite kann ich nachmittags mit unserer Kleinen im Garten buddeln, zum Kaffee bei einer Freundin vorbeischauen, mit unserer Maus zum Babyschwimmen gehen. Kostbare Momente, die alles wieder aufwiegen.
PS: Ähm, das mit der Bratwurst oben hab ich nicht verstanden – leide ich doch immer noch an Still-Demenz, oder ist es einfach so?
Es erleichtert mich ungemein, dass nicht nur ich über den unsäglichen “Feierabend” stolpere! Dieses: “Ach, hast Du es gut, jetzt nach Hause zu dürfen!”. Und weil die Teilzeitmama es so gut hat, nach Hause zu dürfen, legt sich, wenn sie Pech hat, ihr Angetrauter dann abends wohlig aufs Sofa und faulenzt eine Runde. Weil seine Vollzeit-Arbeit so anstrengend war.
Aber vielleicht machen wir Mütter auch selbst einen Fehler? In der letzten Zeit bin ich immer wieder über den Begriff “Working mum” gestolpert; als Ausdruck für Mütter, die neben Haushalt und Kindern noch ins Büro gehen. Und was macht der Rest der Mütter? Ich meine, diejenigen, die zuhause bleiben? Fingernägel lackieren? Golf spielen?
Letzten Endes sind wir die ersten, die uns einen gewissen Wert zu geben haben. Und die mit Stolz die Tatsache verkünden dürfen, dass wir – nachdem wir den Nachwuchs während des Kindergartenstreiks kurzfristig bei Freunden unterbringen konnten und uns ferner übers Wochenende die erforderliche Marketingstrategie überlegten, während wir mit dem 6-jährigen auf dem Spielplatz waren – über ein gehöriges MEHR an Flexibilität verfügen, als Kollegen, die sich darauf beschränken, ihre Arbeitstage mal in London, mal in NewYork und mal im heimischen Büro (dann aber ohne Krawatte) zu verbringen.
Tja, und ansonsten schlägt gelegentlich die ausgleichende Gerechtigkeit ganz von alleine zu. Ich habe es selbst erlebt…
Hallo Jutta,
ich habe ein Jahr Erziehungsurlaub genossen und bin danach wieder in den Beruf eingestiegen. Wobei ich gleich eins klar stellen muss: Erziehungsurlaub ist viel. Viel Stress, viel echte Arbeit viel Verantwortung und viel Liebe. Aber eins ist Erziehungsurlaub nicht- URLAUB!
Traum von Karriere,
das ich nicht lache!
Das ist doch nur die Wurst für den Hund, dass er noch schneller läuft!
“Wenn der Hund mit dem Wurst übern Eckstein springt!”
Und Kinder passen doch in die vermeintlich hippe Welt von Werbung, PR und Glimmer nicht rein!
Ausbeutung ist die Devise: Aus der Wurst wird ein Würstchen und aus dem Würstchen eine Geflügelwurst!
Und dann über vierzig wird die Wurst zum Soja-Schnitzel!
Über Fünfzig hat man/frau wg. “Telefonierendbügelndwohnungstüröffnend” als verbrannte Bartwurst ausgesorgt!
Selbst der Gliimmer hat nicht mehr die senfige Schärfe!
Träum weiter, denn wenn du aufwachst ist es ganz grausam und dein vermeintlich verständnisvoller Arbeitgeber zeigt das wahre Gesicht: Die Kalte Fratze des Fleischers:
ALLES KOMMT DURCH DEN FLEISCHWOLF
Paul Seite
… sehr guter Beitrag. Habe auch Kinder und weiß wie anstrengend da die Planung des Tages werden kann. Das Unplanbare ist halt nicht planbar
Natürlich hat das ganze auch seinen Lohn … glänzende Kinderaugen
Liebe Grüße,